Alternativtext: Weißes Quadrat mit türkisem Rand und Aufschrift: Barrieren bei Fachärzt*innen: Ergebnisse. Logo von Barrieren Brechen.

 

Laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen vom 8.10.2020 ist bei nur 26.1% der Facharztpraxen der Zugang “uneingeschränkt barrierefrei”. Diese Zahl beruht auf Daten der Kassenärztliche Bundesvereinigung sowie der Kassenärztlichen Vereinigungen der Länder. 

Seit Mai 2019 sind die Kassenärztlichen Vereinigungen gesetzlich verpflichtet, „die Versicherten im Internet in geeigneter Weise bundesweit einheitlich über die Sprechstundenzeiten der Vertragsärzte und über die Zugangsmöglichkeiten von Menschen mit Behinderungen zur Versorgung (Barrierefreiheit)“ zu informieren (§ 75 Absatz 1a im Sozialgesetzbuch Fünftes Buch). 

Laut der Beauftragten von Bund und Ländern für Menschen mit Behinderungen kommen die Kassenärztlichen Vereinigungen dieser Verpflichtung bislang „nicht in angemessener Weise“ nach.

Wir haben nun direkt bei der Community nachgefragt: Welche Barrieren findet Ihr bei Fachärzt*innen. Hier eine Übersicht der Rückmeldungen.

Aus Sicht einer Rollstuhlfahrerin finden sich die meisten Barrieren in Form von Treppen an Hauseingängen. Ist der Tresen an der Anmeldung zu hoch, wird man als Rollstuhlfahrer*in nicht gesehen. 

Es fehle an Behindertentoiletten für Urinproben. Räume und Wartebereiche, die zu eng sind, stellen eine Barriere dar. 

Mehrere Rückmeldungen erreichten uns zu Untersuchungsstuhl: Zu hohe Liegen, die nicht höhenverstellbar sind sind eine Barriere. Wenn bei der Frauenärztin der Gynäkologenstuhl nicht höhenverstellbar ist, kann nur mit sehr viel Aufwand die Untersuchung durchgeführt werden.

Weitere Rückmeldungen im O-Ton:

Als Hörbehinderte bekomme ich oft nicht mit, wenn ich aufgerufen werde in einer Praxis – bzw. es stresst mich sehr, ‚mit den Augen zu hören‘ ob ich gemeint sein könnte – d.h. ob sonst jemand aufsteht. Eine gute Lösung wäre ein Bildschirm auf dem die Namen (oder anonymisiert eine Nummer die man an der Anmeldung erhält) angezeigt wird. Auch die Anmeldung ist oft nicht barrierefrei für mich – eine Induktionsschleife kann Abhilfe schaffen. Leider ist auch bislang nur bei wenigen Praxen eine Terminvergabe online/per Mail möglich.

Untersuchungsstühle bei der Zahnärzt*in oder Gynäkolog*in sind seitlich dem Stuhl des Arztes aufgestellt, damit die Untersuchung leichter fällt. Viele Ärzt*innen aber wollen auch Therapien dort besprechen, so dass keine gute Lippensicht für Hörbehinderte möglich ist.

Meistens klappt es soweit, aber wirklich gut auf Hörbehinderte bzw. Ertaubte sind die wenigstens Praxen eingestellt. Das fängt bei der Terminvergabe an und endet damit, dass mich mit meinem Implantat niedergelassene Radiologen nicht ins MRT schieben möchten, weil sie sich mit CIs (Cochlea-Implantat) nicht auskennen. Bei der steigenden Zahl an CI-Trägern ist so etwas nicht mehr nachvollziehbar.

Ich bevorzuge Praxen, bei denen ich online oder per E-Mail einen Termin vereinbaren kann. Leider sind viele Arztpraxen noch nicht so modern unterwegs. Terminvereinbarung erfolgt häufig noch telefonisch. Blöd, wenn man hörbehindert ist und schlecht Telefonieren kann. Auch sorge ich regelmäßig für Heiterkeit: ich kriege nie mit, wann ich dran bin, weil ich nicht verstehe, was da in den Wartebereich gerufen wird. Mein Trost: den Omis und Opis geht’s oft genauso. Eine Anzeige wäre da schon nicht schlecht.

Für jemanden mit massiven Schlafrhythmusstörungen sind alle Arten von Arztterminen oft nicht einzuhalten. Und selbst die Praxen, die genau dieses Problem behandeln sollen, sind nicht lösungsorientiert oder flexibel.

Die Hauptbarriere bei Ärzten ist mangelnde Zeit. Einen hyperaktiven und hypersensiblen Autisten schleust man nicht mal eben in zehn Minuten durch eine Untersuchung.

Eine Rückmeldung erreichte uns zur aktuellen Pandemie-Situation: Durch Corona ist keine Behandlung in der Praxis mehr möglich.