Barrieren der Woche beim Thema Wellness

Weißes Quadrat mit türkisem Rand und Aufschrift: Barrieren der Woche beim Thema Wellness. Ergebnisse. Logo von Barrieren Brechen.
Dieses Mal suchten wir eure Barrieren beim Thema Wellness. Auch das wird oft nicht mit Menschen mit Behinderung in Verbindung gebracht, was aber letztlich auch nur sehr verkürztes Denken beweist. Denn wie eine Frau sehr richtig schreibt: „Menschen mit Behinderung wollen auch saunieren :).“

Die erste Barriere besteht darin, dass das Thema Barrierefreiheit in der Regel gar nicht erst auftaucht. Wer wissen will, ob die Einrichtung, das Schwimmbad, die Therme o.ä. barrierefrei sind, muss oft stundenlang recherchieren, anrufen, wird weiterverbunden usw. Beschäftigte verstehen die Frage nicht, sind nicht geschult und haben insgesamt keine Erfahrungen mit dem Thema, geben letztlich nicht hilfreiche Antworten, sodass man im Zweifel auf gut Glück hinfahren müsste, um selbst zu überprüfen, was möglich ist. Das kann natürlich niemand machen, also scheitert es mitunter schon hieran.

Wellness gilt zumindest in Deutschland hier und da auch als Luxus, als nicht notwendiger Schnickschnack. Dabei ist es für jeden Menschen von immenser Wichtigkeit, auf den eigenen Energiehaushalt zu achten, in sich selbst zu schauen, ob man die eigenen Ressourcen rücksichtsvoll handhabt. Ob man gut mit sich umgeht. Wellness kann ein Weg sein, sich selbst etwas Gutes zu gönnen. Hier schreibt eine Leserin davon, wie sie als Mensch mit unsichtbarer Behinderung das Gefühl hat, nicht zu genügen. Nicht genug zu leisten und daher nicht das Recht zu haben, so zu sein, wie sie eben ist. Der Selbstwert wird an die Leistung gekoppelt. Und da die nicht dem normierten Standard zu entsprechen scheint, ist es auch nicht „erlaubt“, z.B. eine Pause zu machen und sich eben z.B. Wellness zu verschreiben.

Immer noch haben die meisten Schwimmbecken keinen Pool-Lifter, sodass es für Leute, die darauf angewiesen sind, entsprechende Hilfe beim Ein- und Ausstieg zu bekommen, nicht möglich ist, das Becken zu nutzen.
Bei Saunas kommen unterschiedliche Einschätzungen, da hat anscheinend zumindest ein Prozess der Einsicht schon begonnen und manche Saunen sind wenn auch nicht barrierefrei, dann zumindest barrierearm. Dennoch gibt es immer noch zu enge Türen, rutschige Fließen ohne Geländer oder Griffe oder die Saunen sind nur über Treppen zu erreichen.

Manche Häuser bieten Baderollstühle an, da Straßenrollis aus hygienischen Gründen nicht in die Sauna/den Badebereich dürfen. Die sind aber nur für die Leute nutzbar, die keine Spezialanfertigung brauchen. Die Liegen im Ruheraum sind wiederum auch nicht für alle erreichbar bzw. wer liegt, kommt womöglich ohne Hilfe nicht mehr hoch. In Hotels sind Duschen mittlerweile oft ebenerdig, also ohne Stufen erreichbar. Die Zimmer der höheren Preisklasse bieten in der Regel aber dann als vermeintlich größeren Komfort Badewannen an, die aber keinen Lift haben und somit auch nicht für alle erreichbar sind.
Immer noch flächendeckend verbreitet ist die Erfahrung, dass ein Nachfragen nach Barrieren auf Seiten der Betreiber*innen manchmal immer noch größere Abwehrreaktionen hervorruft, die dann auf Jahre hinweg die Lust verderben, es noch einmal im Schwimmbad, Massagesalon, der Therme oder anderen Betrieben zu versuchen.

Damit das nicht weiterhin passiert, muss wie bisher jedes Mal dazu aufgerufen werden, dass sich die Gesellschaft bewegt. Alle. Die Arbeit darf nicht an den Betroffenen hängenbleiben, sie müssen aber natürlich einbezogen werden. Auch die Betreiber*innen von Wellnesseinrichtungen müssen umfassend verstehen, dass ihre Dienstleistungen auch von Menschen mit Behinderungen genutzt werden wollen. Das muss ermöglicht werden.