Barrieren der Woche bei Streamingdiensten

Weißes Quadrat mit türkisem Rand und Aufschrift: Barrieren der Woche beim Thema Streamingdienste: Ergebnisse. Logo von Barrieren Brechen.

Diese Woche haben wir die Barrieren bei Streamingdiensten gesucht. Das Internet hat die technische Grundlage bereitet, audiovisuelle Medien in zuvor nicht erreichbarer Menge zur Verfügung zu stellen. Es gibt Streamingdienste für Filme und Serien, Radio und Musik, Podcasts und weitere Dinge, alle Fernseh- und Radiosender haben in der Regel auch Streamingangebote. Aber auch hier werden noch viele Hürden mitgeschleppt, die dafür sorgen, dass nicht alle Menschen die Angebote nutzen können. Wir haben eure Einsendungen wie immer zusammengefasst.

Das präsenteste Thema dürfte die Untertitelung sein, die auch seit Jahren diskutiert wird. Im deutschen Fernsehen herrschen da höchst unterschiedliche Standards, die Beiträge in den öffentlich-rechtlichen Mediatheken sind immer wieder einmal untertitelt, die Zahl steigt seit Jahren, sodass die Inhalte zur Primetime laut Eigenaussage nahezu vollständig untertitelt werden. Bei den privaten Sendern ist der Anteil online noch geringer, sie holen aber auf.
Zusätzlich zur Frage, ob es Untertitel gibt, kommen noch technische Probleme wie die Übertragung der Untertitelung in verschiedenen Browsern durch die jeweiligen Apps, die dann doch nicht funktioniert etc. Auch hier scheinen verhältnismäßig neue Firmen wie Netflix mit einer fast vollständigen Untertitelung die Nase vorn zu haben. Gleichzeitg schafft Youtube die Community Captions aber ab. Die Untertitel, die durch das Publikum erstellt wurden, können ab Ende September nicht mehr genutzt werden.

Ein weiteres Problem bei Untertiteln kommt in Livesendungen vor, wo diese eben wegen der Gleichzeitigkeit und dem entsprechenden Zeitdruck nicht immer so hochwertig sind wie Untertitel, die in Ruhe erstellt werden konnten. Teilweise entstehen bei Untertitelung auch verkürzte Satzstrukturen, die den Sinn entstellen und einen aus der Story werfen. Die Entsprechung zu Untertiteln bei Podcasts sind die Transkripte. Diese mitgeschriebene, gesprochene Wort wird nur in Ausnahmefällen zusätzlich angeboten und macht Podcasts für gehörlose Menschen nur entsprechend selten nutzbar.

Eine weitere Übersetzung ist die Gebärdensprache, da nicht alle Gehörlosen die deutsche Schriftsprache beherrschen. Falls doch einmal Gebärdensprache angeboten wird, dann meist nur als Anhängsel und Übersetzung einer nicht gebärdeten Sendung. Nachrichten o.ä. direkt in GBS gibt es nicht.

Auch wenn das auf Streamingplattformen noch nicht allzu oft geschieht, gibt es auch bei Musikdolmetschungen Barrieren bzw. Probleme. Musikdolmetschung bedeutet, dass Songtexte in Gebärdensprache übersetzt werden, damit Gehörlose auch den Text verstehen können Gruppen wie Deaf Performance Now haben es sich zum Ziel gesetzt, auch hier vor allem selbst betroffene, taube Menschen einzusetzen, statt das von hörenden Leuten erledigen zu lassen.

Plattformübergreifend sind die Barrieren, die sich Menschen mit größerer Reizempfindlichkeit – in der Community oft „Spoonies“ genannt – in den Weg stellen. Jingles sind zu laut, Bildeffekte sind zu grell, es flimmert und piept auch in den Insta-Stories, Werbung schreit und explodiert am laufenden Band. Das wird nicht von allen so gut vertragen und kann sogar zu Krämpfen oder anderen Schmerzen führen.

Die Barrieren bei Streamingdiensten betreffen wie so viele andere Bereicht auch hier wieder Millionen und auch wenn ein Anfang gemacht ist und über Untertitelung diskutiert wird, muss auch hier genauso deutlich wie immer gesagt werden, dass eine Demokratie sich daran messen lassen muss, wie sehr in der Realität des Alltags auch tatsächlich alle Menschen mitmachen, mitlesen, zuhören und/oder zuschauen können.