Barrieren der Woche beim Klamotten kaufen

Weißes Quadrat mit türkisem Rand und Aufschrift: Barrieren der Woche beim Thema Klamotten kaufen: Ergebnisse. Logo von Barrieren Brechen.
Diese Woche suchten wir nach den Barrieren, die euch beim Klamotten kaufen begegnen. Kleidung tragen die Menschen schon seit tausenden von Jahren, da herrscht schon eine gewisse kulturhistorische Kontinuität. Eure Einsendungen zeigen, dass wir im Jahr 2020 auch in diesem Bereich noch keine Augenhöhe erreicht haben, was die Möglichkeiten von Menschen mit Behinderung angeht, Klamotten zu kaufen.
Das fängt wie immer schon vor dem Betreten eines Ladens an, online wie offline. Schwere Türen, nicht barrierefreie Websites, Schwellen oder Stufen oder auch für Sehbehinderte schwer erkennbare Glastüren stellen klassische Zugangsbarrieren dar.
Wer es dennoch reingeschafft hat, muss des öfteren mit eng zugestellten Gängen rechnen, auf denen sich ein Rollstuhl oder eine Gehhilfe schwer manövrieren lässt, ohne hängen zu bleiben oder gleich ganze Klamottenreihen einzureißen. Wenn keine Sitzgelegenheiten existieren, ist es für Leute, die nicht so gut zu Fuß sind, aber prinzipiell ohne Hilfe gehen können, auch schwer, sich mal kurz auszuruhen. Viele Klamotten werden bis in Höhen über zwei Meter gelagert, da kommt man nicht immer gut ran, zumal aus einem Rollstuhl. Auch Kassen sind oft sehr hoch, sodass z.B. nicht selbständig per EC-Karte zahlen kann, wer nicht so hoch rankommt. Sehr oft wurden die meist viel zu klein dimensionierten Umkleidekabine erwähnt, in die oft nicht einmal ein Rollstuhl passt bzw. nicht drehen könnte. Wer Hilfe beim Umziehen braucht, also zu zweit rein müsste, darf das in der Regel gar nicht, weil befürchtet wird, es könnte geklaut werden, oft wäre aber auch gar nicht genug Platz für zwei Leute. Wenn Gehörlose in einer Kabine sind, die in aller Regel nicht abgeschlossen werden kann, kann niemand von außen mit ihnen kommunizieren, sie hören es ja nun nicht. Eine Einsendung berichtet davon, wie eine Verkäuferin sauer wurde und den Vorhang aufriss, während die Kundin sich gerade umzog. Oft sind auch keine Stühle in den Kabinen, auf die man sich setzen könnte, falls nötig, noch seltener gibt es Haltegriffe o.ä. für Leute, die diese benötigen.

Menschen, die z.B. wegen Autismus empfindlicher auf Umweltreize eingestellt sind, leiden in den Warenhäusern großer Ketten unter lauter Musik und grellem Licht. Eine weitere ständig vorkommende Barriere sind die fehlenden barrierefreien Toiletten, die das Einkaufen in den entsprechenden Läden erschwert.
Neben diesen Barrieren, die vor allem in den Läden vorliegen, haben auch Klamotten selbst Barrieren. So sind die Schnitte von z.B. Hosen nicht immer geeignet für Rollstühle, auch Shirts können zu kurz fürs Sitzen sein oder die Nähte stören auf Dauer. Wenn Schnitte geändert werden, geschieht dies nicht immer mit Rücksicht für die Belange von Leuten, die Prothesen oder Windeln tragen, sodass die Klamotten zu eng sind. Wessen Arme oder Beine verkrampft sind, kann manche Klamotten nur sehr schwer an- und ausziehen, wenn die Stoffe entsprechend wenig flexibel sind. Überhaupt spielen hier auch die Körpernormen der Kleidungshersteller rein. Wer nicht den vermeintlich „normalen“ Normen entspricht, hat Schwierigkeiten, Klamotten zu finden. So berichtet ein Kommentar von einer Firma, die Mode-Boxen versendet. Beim Bestellen kann man Körpergröße und Gewicht angeben, die untergewichtige Person konnte dabei aber gar nicht ihr reales Gewicht angeben, da die Auswahlmöglichkeiten erst ab einem höheren Gewicht anfingen.
Ästhetische Aspekte spielen bei Menschen mit Behinderung selbstverständlich genauso eine Rolle wie bei der Mehrheitsgesellschaft. Einige Leser*innen berichten davon, dass immer wieder Verkäufer*innen das offenbar nicht so recht verstünden. Als wäre es nicht wichtig, dass sich jemand in seiner Kleidung wohlfühlt. Eine Einsendung berichtet auch, dass die neu gekaufte Hose leider dann im Sitzen nicht mehr so schön aussah wie sich das vorher darstellte.
Dass es v.a. die Mehrheitsgesellschaft ist, die teilweise mehr Probleme im Umgang mit Behinderungen hat als die Betroffenen selbst, zeigt sich regelmäßig beim Verkaufspersonal. Dieses wird offenbar allzu oft nur rudimentär geschult, reagiert überfordert und übermäßig ängstlich, immer wieder mit Abwehr und Unwillen, wirklich zu helfen. Dass z.B. nur mit der/dem Assistent*in gesprochen wird statt der Person, die einkauft. Dass die Assistenz gesiezt, der Einkaufende geduzt wird, passiert auch immer wieder. Es gibt auch explizit viel Personal, das sich erfolgreich bemüht und einfach eine gute Arbeit macht, aber abweichende Erlebnisse passieren noch zu oft, um sie als Ausnahmen zu bezeichnen.