Barrieren der Woche in der Freizeit

Weißes Quadrat mit türkisem Rand und der Aufschrift: Barrieren der Woche beim Thema Freizeit: Ergebnisse

Heute fassen wir eure Einsendungen zu den Barrieren zusammen, die euch in der Freizeit begegnen. In der Menschen aus reinem Interesse alles mögliche machen wollen, zur Zerstreuung, zur Unterhaltung, zur Entspannung. Genau das ist Menschen mit Behinderung immer noch zu oft nicht vergönnt, weil unzählige Barrieren sie davon abhalten.
Auch im Freizeitbereich sind das zunächst einmal physische Barrieren an allen Ecken und Enden. Restaurants, Bars, Kinos, Museen und Geschäfte haben Treppenstufen oder andere Hindernisse schon vor der Tür. Auch innerhalb sind teilweise keine Geländer, die Vitrinen in Museen sind zu hoch für Rollstuhlfahrer*innen uvm. Wenn keine phyischen Barrieren am Eingang existieren wie bei den meisten Campingplätzen, Festivals oder anderen Großveranstaltungen und Freibädern, sind sehr oft die Toiletten nicht barrierefrei.

Es gibt quasi keine barrierefreien, nicht einmal barrierearme Spielplätze für Kinder mit Behinderung. Kieswege oder Rindenmulch etc. stellen für Rollstühle kaum zu bewältigende Hindernisse dar. Freizeitparks verbieten fast standardmäßig aus nicht nachvollziehbaren, entmündigenden Sicherheitsbedenken die Nutzung vieler Fahrgeschäfte für Personen mit unterschiedlichen Behinderungen.

Neben dem riesigen Feld von physischen Barrieren, die hier nur stark zusammengefasst wurden, kamen etliche Einsendungen zu Barrieren bei der Ticketbuchung für Veranstaltungen. Es ist sehr viel komplizierter, aufwändiger und somit anstrengender, barrierefreie Plätze zu buchen. Rollstuhlplätze sind, wenn überhaupt, nur in sehr kleiner Zahl vorhanden. Es gibt von Seiten der Veranstalter*innen, der Hallenbetreiber*innen, der Ticketportale und allen anderen Beteiligten bisher kein wahrnehmbares Interesse dafür, dass schlicht alle Menschen ohne riesigen Organisationsaufwand Tickets buchen können. Sonderrufnummern für barrierefreie Plätze, die noch teurer als die Tickets sind, bauen nur noch mehr Barrieren, statt diese abzubauen. Barrierefreiheit brauchen nicht nur Menschen im Rollstuhl, auch Blinde möchten Konzerte erleben, brauchen aber keinen Rollstuhlplatz, was oft genug gar nicht im Buchungssystem mitbedacht wird.

Das Mitdenken scheint insgesamt ein großes Problem der Mehrheitsgesellschaft zu sein. Es fehlt an einem Horizont, der nicht nur die eigene Perspektive miteinbezieht. Dort, wo zumindest irgendwie auf die Existenz von Menschen mit Behinderung reagiert wird, geschieht dies noch viel zu oft mit Herablassung, mit übergriffigem Absprechen von selbstbestimmter Handlungsfähigkeit. Es ist in diesen Fällen offenbar nicht selbstverständlich, dass alle Menschen die gleichen Rechte genießen dürfen, Menschen mit Behinderung werden als Störung behandelt, statt sie von vornherein mitzuplanen. Ein 9jähriger Junge mit Gehbehinderung, der für lange längere Wege den Rolli braucht, wurde bei einer Ferienfreizeit im Jugendzentrum abgewiesen, weil niemand da sei, die*der ihn betreut. Andere berichten davon, wie sie sofort abgewiesen wurden, wenn sie nach Barrieren fragten. Obwohl sie sich aus dem Rollstuhl in einen Kinosessel hätten setzen können oder eben nicht ausschließlich in den sehr engen Vorstellungsrahmen passen, der das Bild von Behinderungen bei vielen Nichtbetroffenen offenbar ausmacht. Wer mit Assistenzhund kommt, muss das zu oft äußerst aufwändig begründen und letztlich den Eintritt wieder erkämpfen.

Auch Menschenmassen sind oft de facto eine Hürde, wenn sie, wie auf Flohmärkten rempeln oder schubsen, weil sie nur auf sich schauen. Große Menschenansammlungen sind zudem auch ein besonderer Stress, der Menschen ausschließt, die z.B. den Lärm nicht ertragen können. Eine Einsendung eines Menschen mit Sozialphobie berichtet davon, dass er faktisch gar nichts allein machen kann, da ihm keine Assistenz gewährt wird und es ihm wegen den Ängsten nicht möglich ist, einfach so rauszugehen. Betreuer*innen in Wohngruppen sind mitunter mit bürokratischen Aufgaben so ausgelastet, dass sie kaum Zeit für Freizeitbetreuung haben, sondern nur die nötigsten Grundaufgaben erledigen können.