Barrieren der Woche in der Schule

Weißes Quadrat mit türkisem Rand und Aufschrift: Barrieren der Woche beim Thema Schule: Ergebnisse.

Dieses Mal suchten wir nach den Barrieren der Woche in der Schule. Wie jede Woche stellen wir euch nun die auf Social Media gesammelten Ergebnisse vor.

Wir werden schon seit Längerem immer wieder auf Barrieren im Schulwesen aufmerksam gemacht, schon im Frühjahr kamen immer wieder Mails von verzweifelten Eltern zu den äußerst schwierigen Umständen in vielen Schulen. Daran hat sich auch bei unserer jetzigen kleinen Erhebung wenig geändert. Wenn auch deutlich weniger Rücklauf kam als die Wochen zuvor, sind die jeweiligen geschilderten Fälle drastisch. Man kann sagen, dass spätestens der Schulbesuch den Einstieg in einen institutionalisierten Wald von Barrieren bedeutet, der wegen der Schulpflicht weniger zu umgehen ist als nicht barrierefreie Kitas.

Der Föderalismus des deutschen Staats ermöglicht extreme regionale Unterschiede im Schulsystem, verhindert jedoch auch flächendeckende Lösungen. So ist gerade beim Thema Barrierefreiheit in Schulen offensichtlich einiges im Argen, es gibt aber keine einheitlichen Antworten darauf, die eine Vergleichbarkeit ermöglichen würden.

Die Probleme beginnen schon vor der Einschulung, wo manche Schulämter einem Kind mit einer Behinderung erst zwei Monate vor Schulbeginn sagen, wo es ausschließlich in die Schule gehen darf. Die anderen haben ein halbes Jahr früher Bescheid bekommen. Das Kind bekommt nicht das Recht, wohnortnah eingeschult zu werden, sondern wird in dem berichteten Fall auf die andere Seite der Stadt geschickt, womit ein nicht barrierefreier Nahverkehr auf Dauer noch weitere Barrieren bedeutet. Vorher wurde mit viel Aufwand eine Schule gefunden, in der schon weitere Kinder mit Behinderung unterrichtet werden, alles war geklärt. Das Schulamt beschloss jedoch ohne Angabe von Gründen, das Kind woanders einschulen zu lassen.

Dasselbe Schulamt weigerte sich auch, am Anfang des Schuljahres einen Elternabend zu veranstalten, auf dem alle Eltern erklärt bekommen hätten, wie Inklusion eine Aufgabe für die gesamte Gesellschaft bzw. in dem Fall Klasse ist und was damit einhergeht. Ohne Verständnis für die relevanten Themen kann es keine Inklusion geben. Die betreffende Tochter wird darüber hinaus „Inklusionskind“ genannt, womit dann auch noch begrifflich all der Druck auf der Betroffenen abgeladen wird, den eigentlich ein verantwortliches System auffangen muss. Sie soll obendrein ohne Begründung als Erstklässlerin mit 3. und 4. Klassen in eine Gruppe. Da läuft offenbar einiges falsch.

Weitere Einsendungen berichten von stigmatisierenden Einstufungen ihrer Kinder als „mit sonderpädagogischem Förderbedarf ‚Geistige Entwicklung’“, wodurch diese automatisch keinen Schulabschluss machen dürfen.
Wenn eine Schule nicht gut organisiert ist oder zu wenige Ressourcen vorhanden sind, wirkt sich das auch oft auf die Barrierefreiheit aus. So werden kurzfristig Räume getauscht, die aber dann physische Barrieren haben, ein Fahrstuhl war regelmäßig morgens außer Betrieb usw.

Bei einer Leserin führte ein nicht diagnostizierter Autismus dazu, dass sie panische Angst vor mündlichen Prüfungssituationen hatte, so dass sie fast durchs Abitur gefallen wäre. Schüler*innen mit größerem Ruhe- und Rückzugsbedürfnis finden diese Bedürfnisse zu oft nicht beantwortet, wenn solche Ruheräume nirgends zur Verfügung stehen.

Auch in weiterführenden Schule oder Universitäten gelten zwar rechtliche Rahmenbedingungen, diese werden aber oft nur mangelhaft kommuniziert. Die verantwortliche Leitung informiert die Lernenden nicht über ihre Rechte, Hilfsangebote sind kaum bekannt und werden dementsprechend auch viel seltener wahrgenommen. Eine ehemalige Studentin hat erst nach dem Studium erfahren, dass ihr eine Assistenz zugestanden hätte, die ihr Leben erheblich erleichtert hätte. Es wurde ihr jedoch nie davon erzählt. Die Aufklärung über ihre Rechte musste sie mit großem Aufwand selbst erarbeiten.

Schulen, die sich wirklich konzeptuell Gedanken über Inklusion gemacht haben und deutlich barrierefreier sind, gibt es nur wenige. Sie zu finden, bedeutet Mehrarbeit, zudem ist der Schulweg in aller Regel dann auch noch länger und mit mehr Aufwand verbunden. Die schon oft in den Barrieren der Woche auftauchende Problematik des Sparzwangs macht sich auch hier wieder bemerkbar, da Schüler*innen mit Behinderung offenbar v.a. als Kostenfaktoren gesehen werden, bei denen pädagogisch angemessene, dem Kindeswohl entsprechende Lösungen nicht die erste Wahl sind. Zuletzt sei noch auf den langen, schwierigen Weg von Marlon hingewiesen, der nach einer Erkrankung nur mit großen Mühen wieder in die Schule fand und darüber gebloggt hat.