Barrieren der Woche beim Thema Urlaub


Dieses Mal haben wir eure Barrieren der Woche beim Thema Urlaub gesucht. Und siehe da, auch dort ist noch ein weiter Weg bis in wahrlich demokratische, gleichberechtigte Verhältnisse.

Es beginnt mit der Buchung einer Reise oder eines Hotels. Menschen im Rollstuhls müssen für Flugreisen aufwändige Anmeldeverfahren inklusive mitunter gar medizinischer Gutachten einreichen. Der Rechercheaufwand beim Buchen ist extrem viel größer, da Barrierefreiheit im Tourismus in der Regel nicht mitgedacht und folglich auch nicht hergestellt wird. Es gibt im Prinzip überhaupt keine inklusiven Gruppenreisen, bei denen auch Menschen mit Behinderung mitfahren können. Sie müssen die Mehrarbeit, die Aufklärung, die Erklärung, das Nachfragen, die Recherche selbst leisten. Falls es denn überhaupt barrierefreie Hotels oder Ferienwohnungen gibt, sind diese oft deutlich teurer. Barrierefreie Doppelzimmer sind noch seltener. Assistenzhunde werden auch nur sehr selten akzeptiert. All diese Aufwände führen dazu, dass ein halbwegs spontanes Verreisen unmöglich wird, alles muss von sehr langer Hand geplant sein.

Nachdem diese Hürden dann doch irgendwann überwunden sind, stellt sich die Frage der Anreise. Bus- und Bahnreisen sind mit Rollstuhl teilweise nicht machbar, weil v.a. in Bussen keine Stellplätze vorhanden sind. An Bahnhöfen werden die Umsteigehilfen immer seltener angeboten, Aufzüge sind auch des öfteren kaputt. Es gibt fast keine barrierefreien Taxis, mit denen z.B. ein Weg vom oder zum Flughafen zurückgelegt werden könnte. In Flugzeugen sind die Durchsagen nur für Hörende, eine Frau mit Hörbeeinträchtigung berichtet von einem Schreckmoment, als das Licht ausging und sich das Flugzeug neigte, bis ihre Nachbarin sie beruhigen konnte, dass sie im Landeanflug sind.

Wer es dann irgendwie ins Hotel geschafft hat, kann dort mit weiteren Überraschungen rechnen. Selbst als barrierefrei bezeichnete Einrichtungen müssen das nicht unbedingt sein. Viele Einsendungen berichten davon, wie auch „barrierefreie“ Hotels dennoch Treppenstufen am Eingang oder hinab zum Wellnessbereich haben. Manche Badezimmertüren sind zu eng für Rollstühle, der Duschbereich ist nicht ebenerdig, sondern nur über eine Stufe erreichbar. Dicke Teppiche in den Zimmern mögen den Schall gut dämpfen, sind aber mit Rollstuhl womöglich sehr schlecht zu befahren. Dann mangelt es auch immer wieder am Verständnis für die Tragweite des Problems durch die Belegschaft, wenn z.B. Barrierefreiheit behauptet wird, da „drei kleine Stufen am Eingang nicht groß stören“ würden. Ohne Rampen, Aufzüge oder Hebelifte an Pools und weitere Maßnahmen sind eben nicht alle Angebote für alle nutzbar. Speisekarten und ähnliche Informationen könnten auch für Sehbehinderte vorliegen, tun es aber meist nicht. Auch die Möglichkeit, Assistenz dazuzubuchen, bieten nur äußerst wenige Hotels. Von der Bereitschaft, andere Hilfsmittel bereitzustellen, einmal abgesehen.
Auf der Reise oder bei Ausflügen kommt es auch zu anderen Problemen. So berichtet eine Leserin von einer Reise eines taubblinden Mannes mit einer weiblichen, sehenden Begleitung, bei der sie überall an der Toilette abgewiesen wurden, da diese ja nur zweigeschlechtlich ausgerichtet sei und somit eine mögliche Assistenz verhindert wurde. Auch Behindertentoiletten haben zudem unterwegs oft keine Ablageflächen, wo man beim Verband wechseln o.ä. etwas abstellen könnte.

Sehenswürdigkeiten oder Museen haben oft bauliche Barrieren wie Stufen, manche verbieten Menschen mit Behinderung gleich komplett den Zugang. Wieder andere erlauben Begleitpersonen keine verminderten Eintrittskosten. Wer unterwegs etwas essen möchte, hat wieder meist größeren Aufwand, statt dass durch z.B. Schilder schon direkt ersichtlich wäre, ob eine Gaststätte barrierefrei ist. Mietwagen mit Handgas sind ebenso nur mit Mehraufwand zu finden. Zu „guter“ Letzt ist der Zugang zum Meer Menschen im Rollstuhl in der Regel verwehrt, wenn keinerlei befestige Wege angelegt sind.
Generell merkt eine Zusendung an, dass (in Deutschland) Gäste mit Behinderung nicht als Chance, anzuvisierende Zielgruppe oder gar Marktlücke gesehen werden, sondern oft immer noch als „Zusatzaufwand“ und „Sozialklientel“ von oben herab behandelt werden. Das drückt sich dann auch in den genannten Barrieren aus. Es wäre also auch hier an der Zeit, dass sich etwas tut, damit alle, die es möchten, ohne riesige Hürden einen Urlaub antreten können.