Wo wir stehen – erste Erfolge

Anfang Januar startete die Plattform #BarrierenBrechen und weil immer wieder Fragen kommen, was sich schon konkret getan hat, wollen wir darauf in diesem Text eingehen: Wir, das sind Raúl Krauthausen und Constantin Grosch, als Initiatoren und David Häußer, die gute Seele im Hintergrund.

Unser hauptsächliches Ziel ist die Beseitigung von Barrieren. Denn leider wird immer noch zu wenig dafür getan, diese konkret zu entfernen. Wir wollen beweisen, dass es nicht unmöglich ist, sondern dass es oft schlicht am Willen fehlt. Dafür arbeiten wir mit Euch, der Community zusammen. Das „Wir“ bezieht hier also automatisch alle mit ein, die ebenfalls etwas gegen Barrieren unternehmen wollen. Wir arbeiten mit allerhand Menschen zusammen, die bereits heute aktiv gegen Barrieren kämpfen. Aber auch mit – und im Besonderen – mit solchen, die bisher nicht aktiv waren, das aber nun ändern wollen. 

Bevor aber Barrieren gebrochen werden können, müssen wir von ihnen wissen. Wir haben daher dazu aufgerufen, dass Ihr uns Barrieren einschickt, die es zu brechen gilt. Darauf haben sich viele Leute gemeldet und Vorschläge eingeschickt, Fragen gestellt oder auch davon berichtet, was sie selbst schon tun. Das war unglaublich und wir freuen uns täglich weitere kämpferischer Mails von Euch zu erhalten!

Allerdings können wir nicht alle Einsendungen direkt behandeln. Wir wollen Euch mal eine Idee davon geben, welche Arten von Einsendungen wir erhalten:

Arten von Einsendungen

1. Fälle unterhalb des Aktionslevels.

2. Barrieren, zu denen wir eine Aktion starten können.

3. Fälle, die unsere Ressourcen übersteigen.

Die erste Ebene

Die erste Ebene lässt sich meistens per Mail klären. Es sind daher keine (öffentlichen) Aktionen nötig. Oft geht es um persönliche und individuelle Angelegenheiten, für die die richtigen Ansprechpartner*innen gefunden werden müssen und an die wir weiterleiten oder um die Empfehlung einer hilfreichen App oder ähnliche Lösungswege. Wir sind keine Behörde und haben keine speziellen z.B. juristischen Kenntnisse, wissen aber oft, an wen sich Leute mit ihren spezifischen Anliegen wenden können und versuchen so zu helfen.

Die zweite Ebene

Die zweite Ebene ist der Kern unseres Anliegens: Wir starten eine öffentliche Aktion gegen eine Barriere, bei der sich alle beteiligen können. In Zusammenarbeit mit der Person, die sich gemeldet hat, nehmen wir den Kampf gegen genau die von ihr eingesendete Barriere auf. Wir berichten über die Barriere und mögliche Lösungen, stellen eine Öffentlichkeit her und bieten die Plattform als Vernetzungsmöglichkeit für andere aktive Barrierenbrecher*innen an. Alle können sich bei den angegebenen Kontaktstellen melden und fordern, dass die Barriere behoben wird. Bisher haben wir auf der Aktionsebene zwei Texte veröffentlicht, weitere sind schon fertig, werden aber wegen der Situation rund um Corona ein wenig später veröffentlicht. Weitere Projekte sind schon in Vorbereitung. Da wir aber wollen, dass die direkt Betroffenen selbst zu Wort kommen und die Texte verfassen, müssen wir auf diese und ihre zeitlichen Möglichkeiten Rücksicht nehmen. Wir unterstützen aber bei Formulierungen, Recherche und der Erhebung von Forderungen.

Beide bisherigen Texte haben mit dazu beigetragen, die Barrieren zu brechen, die sie behandelten:
Im ersten Fall hat sich der Europapark verpflichtet, bis 2021 all seine Fahrgeschäfte blinden Menschen zugänglich zu machen. Bisher wurde uns dies allerdings nur mündlich zugesagt. Ein entsprechender Hinweis auf der Webseite des Europaparks fehlt und auch ein Fahrplan zur konkreten Umsetzung ist bisher nicht bekannt. Auch wenn damit schon einiges erreicht ist, bleiben wir hier weiter für Euch dran.

Der zweite Text zielte auf die Bereitstellung von Informationen zum Coronavirus in Gebärdensprache ab. Bisher waren diese quasi nicht vorhanden. Tagesaktuelle Informationen standen meist nur Hörenden zur Verfügung. Nachdem die Community der Gehörlosen mächtig Druck gemacht hat (u.a. mit der Petition von Sabine Heinecke, Katja Fischer und Julia Probst) und Lela Finkbeiner ein starkes Video und einen Text erstellt hatte, konnten wir den Kampf gegen diese Barriere unterstützen. Nach knapp zwei Wochen erreichte das Thema auch den Bundestag: Video einer Befragung von Corinna Rüffer an Bundesgesundheitsminister Spahn – Youtube.
Jens Spahn schien zumindest durchaus in Erklärungsnot und versprach Besserung. Daran wird er sich messen lassen müssen. Tatsächlich finden mittlerweile die Pressekonferenzen der Bundes-Pressekonferenz und des Robert-Koch-Instituts live mit Gebärdensprachen-Dolmetschung statt.

Die dritte Ebene

Die dritte Ebene betrifft Maßnahmen, die unsere Ressourcen übersteigen. Wir sind ein kleines Team und selbst nur Teil einer viel größeren Community. Die Community liefert die spezifische Expertise, wir stellen eine publizistische Struktur (Website, facebook, Instagram, Twitter, Pressekontakte, usw.) und sorgen für die Verbreitung. Bei Problemen, die auf der strukturellen Ebene liegen, kommen aber auch wir an unsere Grenzen. Wir können keine Gesetze erlassen und es fehlt uns noch an Ressourcen, solch große Projekte angemessen zu begleiten. Aber das wollen und werde wir in den nächsten Monaten ändern. Zum aktuellen Zeitpunkt konzentrieren wir uns als #BarrierenBrechen aber auf jene Barrieren, die wir selbst als Gesellschaft jetzt brechen können!

Noch mehr

Aber natürlich ist das noch nicht alles! Neben den eben erwähnten drei Ebenen führen wir im Hintergrund Gespräche mit Herstellern, Dienstleister*innen und Firmen, um in wichtigen Bereichen der Privatwirtschaft für mehr Barrierefreiheit zu sorgen. Manche Unternehmen zeigen sich interessiert, andere nicht. Eine Firma hat sehr deutlich zu verstehen gegeben, dass ihr Barrierefreiheit egal ist. Wir werden es nicht vergessen und zum richtigen Zeitpunkt darüber schreiben.

Viel wichtiger sind aber diejenigen, die mit gutem Beispiel vorangehen und offen sind für unsere Kontaktaufnahme. Und da wollen wir nicht zu viel versprechen, aber liebe Community, wir sind an einigen spannenden Veränderungen dran!

Also schreibt uns bitte weiter Eure Barrieren im Alltag und helft uns, die Gesellschaft zu einem zugänglichen Ort für alle zu machen!