Fahrgeschäfte in Freizeitparks – Blinde werden ausgeschlossen

Blinde Menschen dürfen in vielen Freizeitparks keine oder nur wenige Fahrgeschäfte nutzen.

Das kann nicht so bleiben! Wir wollen deshalb gemeinsam daran arbeiten, dass sich dies ändert.

„Blinde müssen draußen bleiben“, so der Titel eines Beitrags der Stuttgarter Nachrichten von 2016. Und das ist – nicht nur im Falle des Europaparks Rust – immer noch traurige Realität! Auch das Phantasialand im nordrhein-westfälischen Brühl grenzt blinde Gäste aus. „Als Blinder im Phantasialand: (Kein) Lächeln am Ausgang inklusive!„, so ein Testbericht des selbst blinden Christian Ohrens für das Portal „Parkerlebnis.de„.

Foto von MadNoggie. CC BY 2.0

19 Attraktionen des Europaparks Rust dürfen von blinden Menschen oder Menschen mit einer Gehbehinderung nicht genutzt werden. Das ist ein Skandal, wenn man bedenkt, dass ein Ausschluss bestimmter Personengruppen gegen viele Gesetze verstößt, darunter die UN-Behindertenrechtskonvention. Diese gilt in Deutschland seit 2009.
Danach müssen sich die Parks darum kümmern, dass ihre Angebote für alle Menschen zugänglich sind. Diese Selbstverständlichkeit ist auch in einigen Parks Realität, darunter das Freizeitland Geiselwind, der Bayernpark oder der Skylinepark.

Die genannten Gründe des Europaparks in Rust: Vorgaben des TÜV Süd. Blinde oder Menschen mit Gehbehinderung wären im Ernstfall nicht in der Lage, die Nottreppen schnell genug zu bewältigen. Was ist dann aber mit älteren Menschen, Kindern oder Personen mit Höhenangst? Auch diese und viele weiteren Personengruppen könnten ein Problem haben, auf einer schmalen, steilen Treppe aus großer Höhe nach unten zu laufen – und zwar noch ein viel größeres, als ein Blinder, der die Höhe nicht sieht und sich im Zweifel an die Anweisungen des Personals oder seiner Begleitung hält.

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Was können wir ändern?

Wir können gemeinsam daran arbeiten, diese Missstände zu ändern. Es kann nicht sein, dass Kinder oder Jugendliche mit Sehbehinderung beim Schulausflug einen Nachteil gegenüber ihren sehenden Mitschülern haben oder beim Famileinausflug benachteiligt sind. Es kann nicht sein, dass ein blinder Freizeitpark-Fan am Fahrgeshäft feststellen muss, dass er nicht eingelassen wird. Und es kann allgemein nicht sein, Menschen aufgrund ihrer körperlichen Eigenschaften von einem öffentlichen Angebot in Deutschland auszuschließen.

Meldet euch beim Europapark!

Leider zeigt die Erfahrung, dass die Veränderung nicht von allein passiert, da müssen Menschen hinterher sein und nachhelfen. Lasst uns das beim Europapark einfach mal machen. Denn er ist der Größte seiner Art und verweigert immer noch Blinden die Nutzung von 19 Fahrgeschäften. Das ist zehn Jahre nach Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention illegal, aber offenbar stört das die Betreiber*innen nicht. Wir müssen sie daher daran erinnern, dass sie die juristische und auch moralische Pflicht haben, nicht ihre Gäste zu diskriminieren.

Auf der Kontaktstelle findet ihr die Telefonnummer der Info-Line 07822 77-6688 und die Email-Adresse  info@europapark.de. Ihr könnt auch Twitter, Instagram oder facebook nutzen. Bitte fragt einmal nach, wann sie planen, diese unhaltbare Situation zu beenden.

Text: Benjamin Hofer

 

Quellen:

* Freizeitparks: Blinde müssen draußen bleiben | Stuttgarter
Nachrichten

* Europa-Park als Blinder besuchen – ein Testbericht | Parkerlebnis.de

* Als Blinder im Phantasialand: (Kein) Lächeln am Ausgang inklusive!
Ein Erfahrungsbericht | Parkerlebnis.de

* Freizeit-Land Geiselwind Erfahrungsbericht 2020 als Blinder |
Parkerlebnis.de

* Bayern Park als Blinder alleine besuchen – Erfahrungsbericht |
Parkerlebnis.de

* Freizeitpark als Blinder besuchen? Skyline Park getestet |
Parkerlebnis.de